'Literatur-Verzeichnis' und 'Einleitung' aus Albert Maier: Das Glossar zu den Märlein des Mylius [1777]. Ein wortgeschichtlicher Kommentar. Inaugural - Dissertation zur Erlangung der philosophischen Doktorwürde der hohen philosophischen Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität zu Freiburg i. B., vorgelegt von Albert Maier, Gymnasial-Oberlehrer in Köln. Referent: Herr Geh. Hofrat Prof. Dr. Friedrich Kluge. - Bonn: Carl Georgi, Universitäts-Buchdruckerei und Verlag, 1909. 301 S. (hier: S. 5-16):

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Literatur-Verzeichnis.

I.

W. Chr. S. Mylius 1777 ff, Verzeichnis seiner Werke, s. Einleitung.

II.

Schade 1872 Altdeutsches Wörterbuch.

Grafs 1837 Althochdeutscher Sprachschatz.

Müller-Zarncke Mhd. Wörterbuch.

Schottelius 1663 Von der Teutschen Hauptsprache.

Stieler 1691 Teutscher Sprache Stammbaum.

Kraamer 1719 Needer-Hoog-Duitsch Worden Boek.

Hoffmann 1725 Orthographie.

Wächter 1727 Deutsches Wörterbuch [Gloss. Germanicum].

Schiller 1728 Thesaurus antiquitatum Teutonicarum III.

Gottsched 1732—1744 Beyträge zur kritischen Historie der deutschen Sprache.

Frisch 1741 Deutsch-Lat. Wörterbuch.

Richey 1755 Idioticon Hamburgense.

Bodmer 1757 Glossar zu den Fabeln aus den Zeiten der Minnesinger.

Lessing 1759 Wörterbuch zu Logau.

Gadebusch 1763 f. Zusätze zu Frischs Wörterbuch (Riga).

Bremisch-Niedersächsisches Wörterbuch 1767.

Adelung 1774 ff. Deutsches Wörterbuch.

Fulda [J. G. Meusel] 1776 Abstammung germanischer Wurzelwörter.

Eschenburg 1776 Beyträge zur alten deutschen Literatur mit Glossar.

[Deutsches Museum), Ungenannter 1776 Beytrag zu alten deutschen Gedichten [Deutsches Museum].

Campe 1794 Reinigung und Bereicherung der deutschen Sprache.

Kinderling 1795 Reinigkeit der deutschen Sprache.

Heynatz 1796 Antibarbarus.

Campe 1807 ff. Deutsches Wörterbuch.

Grimm 1854 ff. Deutsches Wörterbuch.

Kluge 1905 Etymologisches Wörterbuch.

Heyne 1905 Deutsches Wörterbuch.

Sanders 1891 Deutsches Fremdwörterbuch.

Martin-Lienhart 1897 Wörterbuch der elsässischen Mundarten.

Staub-Tobler 1881 Schweizerisches Idioticon.

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III.

Osterdingens Heldenbuch (Frankfurt 1590).

Lohenstein, Arminius (Ausgabe Gebauer 1731).

Dreyhaupt 1749 Beschreibung des Saalkreises.

Schönaich 1754 Aesthetik in einer Nuß.

Ungenannter 1757 „Urtheile über das Verhalten der Menschen“.

Hagedorn 1757 Poetische Werke.

J. J. Chr. Bode 1764 Die eifersüchtige Ehefrau.

—  1766 „Der Spieler“.

—  l771 „Die Schule der Liebhaber“.

—  1772 „Der Westindier“.

Bode und Ebeling 1772 Burneys Tagebuch einer musikalischen Reise.

J. J. Chr. Bode 1772 Humphry Klinker.

—  1775 Briefe von Elisa an Jorick.

—  1775 Briefe von Sterne an seine Freunde.

—  1775 „Der Gesellschafter“.

—  1776 „Tristram Schandi“.

—  1777 „Der Dorfprediger von Wakefield“.

—  1781 „Der Denker“.

—  1786 Thomas Jones (6 Bände).

—  1787 „Geschichte einer39jährigen Gefangenschaft in französischen Staatsgefängnissen“.

—  1787 „Der Lauf der Welt“.

—  1793 f. Montaigneübersetzung.

Hannoversches Magazin 1763 [erste deutsche Übersetzung von Macphersons Ossian].

Kretschmann 1768 Gesang Ringulphs des Barden [Kürschners N. L. 48].

Bodmer 1768 Politische Schauspiele.

—  1772 „Noachide“.

Klotz 1768 und 1770 Deutsche Bibliothek.

Gleim 1770 Sämtliche Schriften.

Klopstock 1771 Oden unk Elegien [Darmstadt, herausgegeben im Auftrag der Landgräfin Karoline von Hessen-Darmstadt].

—  1771 Oden [Originalausgabe des Dichters, herausgegeben bei Bode, Hamburg].

„Hermanns-Schlacht“ [Bardiet, herausgegeben von H.Düntzer 1876].

—  „Deutsche Gelehrtenrepublik“ [herausgegeben bei Göschen 1855).

Wieland Sämtliche Werke, Ausgabe Göschen 1794ff., Leipzig.

—  Sämtliche Werke, Ausgabe Gruber 1818 ff.

—  Originalausgaben: 1771 „Der neue Amadis“.

— 1772 „Gedanken über eine alte Inschrift“.

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—  — 1775 „Geschichte des Philosophen Danischmende“.

—  —1776 „Liebe um Liebe“.

Lessing Sämtliche Schriften, herausgegeben von K. Lachmann, Beilin 1838 ff.

—  Originalausgaben 1753 f. Schriften.

—  — 1771 Vermischte Schriften,

—  — [1759 Wörterbuch zu Logau, vgl. oben].

Bürgers sämtliche Gedichte, 2 Bände [herausgegeben von Ed. Grisebach 1872).

—  sämtliche Werke Herausgenebe» von A. W. Bohtz, Göttingen 1835).

Bürger (Originalausgaben) 1771 Gedanken über die Beschaffenheit einer deutschen Übersetzung des Homer [Klotz, Deutsche Bibliothek].

—  1776 Über die teutsche Ilias [Deutscher Merkur).

—  — 1776 Homers Ilias [Deutscher Merkur].

—   — 1784 Homers Ilias in Hexametern [Gökingks Journal von und für Deutschland).

Jakobi 1775 f. Iris.

Claudius 1777 Sämtliche Werke des Wandsbecker Bothen III.

Bertuch 1775 f. Don Quixote (6 B.).

Herder Sämtliche Werke [Tübingen 1805].

—  Originalausgabe: 1773 „Von deutscher Art und Kunst“.

Brunquelli Opuscula [1774 Halle].

Ramler 1769 Oden nach Horaz.

—  1772 Lyrische Gedichte.

—   1774—1778 Lyrische Bluhmenlese.

—  1791 Sinngedichte von Logau.

Ungenannter 1769 „Peregrine Pickel“.

Meißner 1778 „Die wüste Insel“.

Denis 1784 Lieder von Selma [Kürschners N. L. 48].

Böttiger 1795 J. J. Chr. Bodes litterarisches Leben.

Ratschky 1799 „Melchior Striegel“.

Voß Sämtliche Gedichte [1802 Königsberg].

Goethes Werke [Ausgabe letzter Hand 1827 ff.).

Jeremias Gotthelf „Uli“ [1875 Berlin].

—   Erzählungen [1885 Berlin].

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A. Einleitung.

Über das Leben des Verfassers [1754-1827].

Wilhelm Christhelf Sigmund Mylius, geboren den 2. Mai 1754 in Berlin, studierte zunächst die Rechte, widmete sich aber bald ausschließlich der Schriftstellerei [vgl. Neuer Nekrolog der Deutschen 1827, V. Jahrgang 343 f.], in der er außerordentlich fruchtbar war. Er war in erster Linie Übersetzer und hat in der Zeit von 1777 bis 1804 eine stattliche Reihe von Übertragungen, namentlich aus dem Gebiet der französischen Literatur, erscheinen lassen [nur wenige seiner Werke enthalten auch Verdeutschungen englischer Schriftsteller].
Seine Übersetzungen bieten eine bunte Auswahl zumeist schöngeistiger, aber auch geschichtlicher, ethnographischer und finanzpolitischer Literatur, Erzeugnisse, die von der platten, leichtgeschürzten Komödie niedern Stils [Hanswurst usw.] bis zur ernsten und großen Literatur hin verlaufen [Übersetzungen Voltaires und der Werke Friedrichs des Großen].
Schmidt-Mehring 1795 „Neuestes gelehrtes Berlin“ II,54 ff. und Hitzig „Gelehrtes Berlin“ 183 f. haben Verzeichnisse seiner literarischen Arbeiten zusammengestellt [verkürzte Auszüge bringen auch „Büsten Berlinischer Gelehrten“ 212 (1787) und „Neuer Nekrolog der Deutschen“ 1827, V. Jahrgang 343 f.], denen ich die nachfolgenden Titel und Angaben entnehme:

* 1. So prellt man alte Füchse [nach Molière], Halle 17771).

* 2. Märlein [nach A. Hamilton], Halle 1777.

* 3. Hanswurst oder Doctor nolens volens, Naumburg 1778.


1Die besternten Weite waren bibliothekarisch nachzuweisen und konnten daher von mir nachgesehen und gelesen werden.

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4. Der junkerierende Philister oder Alter hilft vor Thorheit nicht. Leipzig 1778.

* 5. Auszug aus des Herrn von Loen redlichem Manne am Hofe. Bibliothek der Romane, B. I. Berlin 1778.

* 6. Doctor Faust, Erzählung von A. Hamilton. Bibliothek der Romane, B. II. Berlin 1778.

* 7. Candide oder die besteWelt [nach Voltaire]. Berlin 1778.

* 8. Gil Blas von Santillana [aus dem Französischen des Le Sage]. 6 Bände. Berlin 1779.

9. Geschichte der Flibustiers [aus dein Französischen des Rollin]. Berlin 1779.

* 10. Dialoge über die Mehrheit der Welten [aus dem Französischen des Bernhard von Fontenelle]. Berlin 1780.

* 11. Leben meines Vaters [aus dem Französischen des Rétif de la Bretonne]. Berlin 1780.

12.  Destouches für Deutsche, von Mylius und Meißner. Leipzig 1780.

13.  Molière für Deutsche, von Mylius und Meißner. Leipzig 1780.

* 14. Barbier uon Bagdad. Operette von Mylius und Schink, im 15. Stück des Theaterjournals von 1780. Gotha.

15. Puff van Vlieten. Komödie in 5 Aufzügen [nach Voltaires Ecossaise]. Leipzig 1780.

* 16. Dr. Fausts Leibgürtel [nach Rousseau]; im 3. Bande des Theaters der Ausländer. Gotha 1781.

17. Die Überlästigen [Komödie nach Molière]. Leipzig 1781.

* 18. Rechnung von Neckers Finanzverwaltung. Berlin 1781.

* 19. Die Zeitgenossinnen [aus dem Französischen des Rétif de la Bretonne]. Vier Bände. Berlin 1781-1783.

20. Amadis aus Gallien [aus dem Französischen des Grafen von Tressan]. Leipzig 1782.

* 21. Gedichte des Sonnenritters. Leipzig 1781-1783.

* 22. Kleine Romane. Berlin 1782-1789.

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* 23. Werke des Philosophen von Sanssouci, Sieben Bände. 1782—1790.

* 24. Komisches Theater der Deutschen. 1. B. Berlin 1783. [Nur die Vorrede ist von ihm.]

* 25. Der Mann von Gefühl. Berlin 1783.

* 26. Ländliche Nächte [aus dem Französischen des Herrn de la Veaux). Berlin 1784.

* 27. Des M. Accius Plautus Lustspiele. Berlin 1784.

* 28, Peregrine Pickle [aus dem Englischen des Smollet]. Berlin 1785.

* 29. Tanzai und Neardane [aus dem Französischen des Crebillon]. Berlin 1785.

30. Schicksale eines Biedermanns [aus dem Französischen des de la Veaux]. Leipzig 1785.

* 31. Voltaires sämtliche Schriften. Berlin 1786-1795 [von Mylius B. 1. 2. 3. 20. 21. 24. 25. 26].

* 32. Der emporgekommene Landmann [aus dem Französischen des Marivaux]. Berlin 1787.

* 33. Galathee [aus dem Französischen des Florian]. Berlin 1787.

* 34. Klimms unterirdische Reisen [aus dem Lateinischen des Herrn von Holbergs]. Berlin 1788.

35. Eugenie Bedford saus dem Französischen der Frau de Malarme). Berlin 1788.

* 36. Roderich Random saus dem Englischen des Smollet). Berlin 1790.

* 37. Gallerte von romantischen Gemälden. Berlin 1792. 38. Teufel Asmodi Hinkebein und sein Befreier in England [nach dem Englischen]. Berlin 1793.

* 39. Rußland [aus dem Französischen des Chantreau]. Berlin 1794.

* 40. Euridane. Ein Schäferroman 8aus dem Französischen der Bürgerin Beaufort]. Berlin 1798.

* 41. Das Faschingskind [aus dem Französischen des Pigault-le-Brun). Berlin 1799.

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* 42. Fernando Texado und seine Freunde [aus dem Französischen des Bürgers F. L. C. Montjoye]. Berlin 1803.

43. Abentheuer des Ritters Mendoza d'Aran und seines hochweisen Knappen Trüffaldin [aus dem Französischen des Pigault-le-Brun]. Berlin 1803 und 1804.

Die Beurteilung dieser literarischen Tätigkeit durch die zeitgenössische Kritik ist im großen und ganzen anerkennend.
Schon 1779 spricht sich die Berliner Literatur- und Theaterzeitung sehr günstig, z, B. über die von Mylius besorgte Übersetzung des „Gil Blas“ aus. Der Kritiker wünscht Le Sage [dem Autor des Romans] Glück, daß er in Mylius einen so vortrefflichen Verdeutscher gefunden habe, der ihn „so treu in unser Idiom übertrug, der [ihm] nichts nahm, . . . was er [ihm] nicht mit Wucher wieder geben konnte“, und meint: „Herr Mylius hat seinen Autor verstanden, hat die Kopey nicht hingesudelt, sondern mit Überlegung hingezeichnet, hat manches alte Kraftwort in seine Rechte eingesetzt, und einen neuen Beweis gegeben, wie groß seine Einsicht in unsere Muttersprache sey.“ — Die Sammlung „Kleine Romane“ 1782f. wird in der sonst scharf zugreifenden „Allgemeinen deutschen Bibliothek“ 58. 496 [1784) kurz, aber lobend besprochen [“die Übersetzung ist gut, nur hin und wieder ist die Schreibart etwas neumodisch“]. „Fontenelle [1780 Dialoge über die Mehrheit der Welten] läßt sich sehr gut lesen“ [1782 Allg. deutsche Bibliothek 48, 458]. Dasselbe äußert der Kritiker dieser Zeitschrift [1798 Allgemeine deutsche Bibliothek 84, 279] über die 1786 ff. erschienene Voltaireübersetzung, insbesondere über die von Mylius besorgten Bände (2 und 3): [Wir müssen] „das vortheilhafte Urtheil bestätigen, was bereits über den zweyten und vierten Band dieser Übersetzung der Voltairischen Schriften gefällt worden ist. Sie scheint sogar an Güte zugenommen zu haben, welches wir besonders von der im 3. Bande begriffenen Übersetzung des Candide rühmen müssen, die mit Recht unter die beßten gezählt werden kann, so gut

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ist Ton und Ausdruck dieses mit aller Leichtigkeit des Witzes geschriebenen Stückes getroffen.“ — Auch Roderich Random [1790] hat Mylius nach dem Urteil derselben Zeitschrift „in seiner bekannten Manier etwas frey übersetzt aber dabei ziemlich geleistet, was man verlangen kann“ [1791 Allgemeine deutsche Bibliothek 99, 129].
Übereinstimmend lautet ein Gesamturteil in „Büsten berlinischer Gelehrter und Künstler“ 212 (1789):
„Keine Stelle ist von dem Herrn Mylius verunglückt dargestellt, und viele sind verschönert wurden. Seine Übersetzungen lesen sich wie Originale und beweisen seine große Kenntniß mit dem eigentümlichen Geist beider Sprachen.“ Der Verfasser des Artikels schließt mit dem Wunsche, Mylius möge noch lange für das Vergnügen der geschmackvollen Lesewelt arbeiten, mit seiner großen Bescheidenheit uns auch fernerhin fremde Waren verschönern, „die er gewiß eben so gut neu machen könnte.“
Nach seinem Tode [1827] schließlich veröffentlicht der „Neue Nekrolog der Deutschen“ I. 343 f. [1827] einen kurzen, aber wohlwollend gehaltenen Lebensabriß, der einleitend ebenfalls seine Übersetzertatigkeit hervorhob: [Mylius] „hat sich durch die Übersetzung des Gil Blas, des Candide, des Faschingskindes, des Peregrine Pickle, des Roderich Random und ähnlicher der bessern alten Romane der Franzosen und Engländer bekannt gemacht.“
Nur anfangs wurde er — namentlich wegen der in den ersten Erzeugnissen betätigten Sucht, alte, abgelegene und unverstandene Wörter in den Text zu mischen — scharf angegriffen. So tadelt die „Allgemeine deutsche Bibliothek“ 42. 101 ff. seinen „Gil Blas“ 1779, die darin bewiesene sklavische Abhängigkeit vom Original, wie die Willkür, mit der er gelegentlich den Ton des ursprünglichen Werkes andere, lediglich um Bode oder Bertuch und ihre „Manier“ nachzuahmen; nennt seinen „schnurrigen, schäckernden und mitunter burlesken Styl“ für „Gil Blas“ — “ganz untauglich“,

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verwirft insbesondere den zahlreichen Gebrauch von „Provinzialausdrücken“, von „gesuchten Archaismen, die eines etymologischen Aufschlusses bedürfen“ und bezeichnet es als „lächerliche Affektation“, „ohne Noth nach ungewöhnlichen oder veralteten Wörtern [zu] haschen, nur um neu und sonderbar zu scheinen und sich einer solchen Glossarienjagd als großer Übersetzerkünste [zu] rühmen,“ Der Rezensent schließt mit der summarischen Bemerkung: [Aus all dem] „ergibt sich soviel, daß der Übersetzer zwar allen Fleiß angewendet hat, in der Übersetzergilde recht hervor zu leuchten: daß es ihm aber . . . mit seinem Gil Blas nicht gelungen ist. Das erzwungene und herabgezogene, das erkünstelte und die in den Noten unter dem Text ausgekramte Wortklauberey, die unnützen, hier angebrachten Kritteleyen, machen uns seinen Geschmack und seine Übersetzertalente überhaupt sehr verdächtig.“
Ähnlich lautet die Kritik seines „Molière für Deutsche“ in der Allgemeinen deutschen Bibliothek 45. 93 [1780]. Auch hier wird die „ungeheure Menge“ von „Provinzialwörtern“ aufs lebhafteste bemängelt und Ausdrücke abgelehnt, die man „in den mehrsten Gegenden Deutschlands nicht mehr als hebräische versteht“, die der Rede überdies „gar keine Kraft“, sondern nur einen „pöbelhaften Anstrich“ geben.
Dieser Verstoß wird ganz besonders bewertet: [Fehler gegen die sachliche Richtigkeit der Übersetzung] „sind nichts gegen den durchaus verfehlten Ton des Originals. Die Herren Genies, die immer ums dritte Wort die Natur im Munde führen, ahmen doch der Natur in ihrer reichen Mannigfaltigkeit nicht nach: Voltaire, Molière, Le Sage, Cervantes, alle diese großen Originale müssen sich izt ganz gleich werden, müssen aus Einem Munde sprechen lernen, nämlich das wizelnde, geradbrechte Deutsch, was man aus Goethe [lies: Goethes] und Klaudius [lies: Claudius'] Styl zusammenknetet, um ja kein Nachbeter älterer Schriftsteller zu scheinen.“
Da Mylius schon nach wenigen Jahren diese pedantische, von der zeitgenössischen Kritik mit Recht gerügte Gewohnheit,

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Übersetzung und Glossar zu verwechseln, preisgab, — auf dieses kindliche Hervorzerren alter, ungebrauchter Wörter im großen Ganzen verzichtete, hatte auch die Kritik keineu Grund mehr, ihn zu verunglimpfen. Die oben wiedergegebenen — schließlich durchweg günstigen — Urteile waren z. T. die natürliche Folge des veränderten Verhaltens.
Mit mehr Anteilnahme und Liebe haben sich dagegen die — ästhetischem Werturteil ferner stehenden — Grammatiker und Sprachtheoretiker der Zeit mit diesen — oft seltsamen — Wortbildungen unseres Schriftstellers beschäftigt.
So hat ihn Kinderling 1795 „Reinigkeit der deutschen Sprache“ benutzt und die ihm auffälligen Worterneuerungen, namentlich aus Peregrine Pickte, reichlich gebucht, wie: Abstecher [352), Ehegespann [374), Flatterfeuer [388], Fehlgeburt [387], Fortschritt [389], Gastfreundlichkeit [390], Geigenist [391), gelaunt [391], gerner [393], griesgramig [397], Grollsucht [398], Hasten [399], Hehl [3999, Hergang [400], hochgespannt [401], Jachsinn [403], kitzelhaarig [404], Lauschwinkel [405], meuterisch [409], sanftherzig [421], Säuberung [421], schlagfertig [422], Schreckbarkeit [423], schwachgeistig [424], Seelenstärke [425], Sonderlingheit [426], Nebellaune [430], unbehaglich [432]. Auch der bedeutendere Heynatz 1796 „Antibarbarus“ hält es für angebracht, ihn einigemal zu notieren [z. T. unter Hinweis auf die Märlein und das beigegebene Glossar] so zu Abstecher [I. 55], Abhuld [I. 33], Aemse [I. 90], Bederbheit [I. 259], Biederlob [I. 259], Glast [II. 61], hasten [II. 101], liebherzen [II. 232].
Später hat ihn Campe 1807 Wörterbuch I. 27 zu „Abhuld“ als einzige Belegstelle namhaft gemacht.
In der Folgezeit nicht mehr beachtet, wird er erst von F. Kluge zu sprachgeschichtlichen Bestimmungen des 18. Jahrhunderts wieder herangezogen [vgl. Etymol. Wörterbuch, u. a. die Artikel „Abstecher“, „bieder“, „Degen“, „Ferge“, „Elfe“, „entlang“, „Hort“].
So hat denn Mylius auch für die sprachgeschichtliche

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Seite seiner Tätigkeit wenigstens eine gewisse Beachtung und Anerkennung gefunden.
Mylius selbst hat eine Reihe von solchen ungebräuchlichen Wörtern in einem den „Märlein“ [1777] angefügten Glossar zusammengefaßt und erklärend besprochen. — Den wortgeschichtlichen Charakter dieses Glossars habe ich in nachfolgender Arbeit genauer zu bestimmen gesucht.
Die dort genannten Vokabeln hat er nebst den zugehörigen Bemerkungen zumeist Frischs [deutsch-lat.] Wörterbuch 1741 und Lessings „Wörterbuch zu Logau“ 1759 entnommen.
Manches entlehnte er zeitgenössischen Schriftstellern, wie Wieland, Bertuch, J. J. Chr. Bode und Bürger, die er offenbar wegen der — auch ihm sympathischen — leichten, humoristisch gefärbten Auffassung der Dinge besonders schätzte und lieb hatte.
Wenige der Wörter stammen auch aus Dreyhaupt 1749 „Beschreibung des Saalkreises“, Döbels „Jägerpraktika“ [1746], aus Klopstock 1771, aus den Opuscula des Brunquellius [1774] oder aus lexikographischen Arbeiten, wie aus Schottelius 1663, Stieler 1691, Bodmer 1757 „Glossar zu den Minnesingern“, Adelung 1774/7 Wörterbuch und Fulda (alias Meusel) 1776 „Abstammung germanischer Wurzelwörter“.
Den innersten Antrieb aber zu diesen deutsch-sprachlichen Bestrebungen erhielt Mylius offenbar aus jener von Klopstock ausgehenden deutschnationaen Stimmung, die über den „Bardengesang“ hinweg in den siebziger Jahren des 18. Jahrhunderts einen gewissen Höhepunkt erreichte und im Treiben und Gären des Sturmes und Dranges auch in ihm [1777 Glossar zu den Märlein] jenen naiven Eifer für alte Sprache und ihren verloren gegangenen Wortschatz erzeugte, der zu so scharfer Kritik herausfordern sollte.


1 Vgl. Gadebusch 1763 „Gelehrte Benträge zu den Rigischen Anzeigen“ 105: „Frischs Wörterbuch ist das beste, welches wir haben. Sein Werk ist vortrefflich und man kann es als einen Schatz in der deutschen Literatur ansehen.“

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Die Richtung, der er so in seiner Weise diente, war aber schließlich dieselbe, die, in die Bahnen und Entwürfe der Romantik und die Taten der Freiheitskriege einmündend, allmählich ein ganz anders denkendes Geschlecht heranzog, das für den Optimismus, die witzige und tändelnde Art des 18. Jahrhunderts nicht allzuviel mehr übrig hatte. — Das ist einer der Gründe, der das spätere Schicksal unseres Schriftstellers, die ärmlichen Verhältnisse, in denen er schließlich dahin leben mußte, begreiflich macht. Die Literatur, die er verstand und übertrug, hatte dem neuen Geschlecht des 19. Jahrhunderts nichts zu sagen, und so wurde er selbst, ihr hervorragender Dolmetsch, beiseite gesetzt und nicht mehr beachtet. Dazu kam die äußere Not der Napoleonischen Kriege, die auch in sein Leben mit harter Hand hineingriff. Bis 1806 hatte er sich in ökonomischer Hinsicht in sorgenfreier Lage befunden, sogar ein Haus auf dem Schloßplatz in Berlin besessen. Der Krieg 1806 brachte ihn dann um sein Vermögen, und er mußte sein Besitztum weit unter dem Werte verkaufen. Die letzten Jahre verlebte er daher in Sorgen und Mühseligkeiten. Am 31. März 1827 starb er in Berlin, unverheiratet, im Alter von 73 Jahren.